Samstag, 25. Mai 2013

Bevormundung und Paternalismus

Am 25.01.2013 zogen Femen durch die Herbertstraße in Hamburg und riefen den dortigen Sexarbeiterinnen zu, dass sie jetzt frei sein können. Mit Hakenkreuzen und der Botschaft „Arbeit macht frei“, die sie über den Eingang des Rotlichtviertels pinselten, verdeutlichten die Mitglieder der Gruppe, dass für sie Shoah und Prostitution das gleiche ist. Auf nachträgliche Rückfrage bestätigen Femen Deutschland, dass sie sich vorab weder mit Sexarbeiter*innen in Hamburg zusammengesetzt noch ihnen die Aktion vorgestellt hätten. Auch mit Überlebenden der Shoah haben sie noch nie gesprochen. „Eine Entmündigung“, schreibt eine Sexarbeiterin auf der Facebook Seite von Femen Deutschland: „Eure Missionarsallüren sind uns nicht willkommen, euer sprechen in unserem Namen erst recht nicht“.1
Femen agieren nach den Prinzipien eines (feministischen) Universalismus: Ihre Mission ist die Befreiung aller zu befreienden Frauen. Mit ihren eigenen Kriterien für frei sein bevormunden und stigmatisieren sie die Frauen, denen sie helfen wollen, ohne ihre Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu kennen. Damit stellen sie sich nicht nur Selbst als Sprachrohr einer ihnen unbekannten Gruppe dar, sondern bestimmen ihnen nicht bekannte Personen als unterdrückt und unmündig.
Femen äußern sich zu Religionen und Glaubensgruppen, denen sie selbst nicht angehören, sind in Ländern aktiv, die sie kaum kennen, sprechen über Themen und Bereiche ohne die Akteur*innen einzubeziehen und konstruieren Opfer ohne sich mit den Betroffenen zu unterhalten.
So demonstrierten Femen gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen und animierten sie, sich auszuziehen mit dem Slogan: „Muslim women get naked“. Diese Aktion wurde von muslimischen Frauen zurückgewiesen und die Hilfe der Femen abgelehnt: „Wenn ihr uns die Freiheit nehmt, uns zu verschleiern, unterdrückt IHR uns.2

1Missy Magazin #2/13. „Imperiale Brüste“.

2Missy Magazin #2/13. „Imperiale Brüste“.

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